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Statistik einmal anders

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Statistik ist ein herrlich subjektives Werkzeug, um Fakten einer Saison in dieser oder jener Art und Wiese zu interpretieren. Hier nur mal ein kleines – nicht bierernst gemeintes – Beispiel, wie man Erfolge einer Saison auch auslegen kann. Nehmen wir dazu die nackten Zahlen, wie sie durch das Portal Eishockey.net und die Webseiten der Oberliga West Clubs zur Verfügung gestellt wurden (weiße Spalten). Die nachfolgende Tabelle fasst sie zusammen und leitet 2 weitere Werte daraus ab (rosa Spalten):

 
 
 
 
 


Zunächst eine kleine Erläuterung der angegebenen Zahlen:

  • Zuschauerschnitt wurde durch Eishockey.net am Ende der Vorrunde erhoben

  • Durchschnittliche Eintrittspreis errechnet sich aus dem arithmetischen Mittel aller vom jeweiligen Verein angebotenen Preiskategorien – ohne Berücksichtigung der VIP und Dauerkarten

  • Zuschauereinnahme = 11 Heimspielen * Zuschauerschnitt * Durchschnittspreis

  • Effizienz gibt an wie viel Geld der jeweilige Verein durch die Zuschauereinnahmen aufwenden konnte, um in der Tabelle einen Platz nach oben zu klettern.

Schaut man sich nun die Zahlen näher an so sieht man, das Bad Nauheim den höchsten Eintrittspreis (13,40€) aller Westclubs verlangte, Netphen den niedrigsten (5,00€). Hier das Schaubild des Preisgefälles:

 
 
 
 
 


Die Differenz der Preise ist schon erheblich, zahlt man in Bad Nauheim und Kassel doch durchschnittlich 2,5 mal soviel wie in Netphen für ein Spiel. Dass das Kommen der Zuschauer selbstredend nicht unmittelbar von den Preisen abhängt, sieht man ebenso deutlich, denn Netphen liegt in der Zuschauergunst nur auf dem drittletzten Platz. Auch hier das entsprechende Schaubild dazu:

 
 
 
 
 


Es fällt auf, wie krass der Zuschauerzuspruch innerhalb der Liga variiert. Kassel und Frankfurt sind in einer eigenen Region unter sich. Selbst Bad Nauheim als Drittplatzierter kann hier nicht mal halb soviel Besucher aufweisen wie die beiden Liga-Krösusse. Doch immerhin hat Bad Nauheim dank der diesjährigen Derbys noch mehr als doppelt soviel Zuschauer wie Duisburg oder Dortmund aufzuweisen. In dieser Konstellation wird verständlich, warum man mit der aktuellen Ligenaufteilung nur schwer zufrieden sein kann. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen der Clubs.
Noch heftiger wird der Unterschied, wenn man auf das Diagramm der durch die Zuschauer generierten Einnahmen blickt. Hier verbindet sich „Preis-" und „Zuschauer-Adel" zu einer unüberwindbaren Hürde für die Kleinen der Liga.

 
 
 
 
 


Die Kurve macht die „exponentielle Ungerechtigkeit" innerhalb der Liga deutlich. Wie sollen Clubs wie Krefeld, Netphen oder Königsborn auch nur halbwegs mit Kassel und Frankfurt mithalten können? Das Einnahmengefälle von 563 T€ zu 15 T€ ist einfach einer Liga nicht würdig. Fragt man sich, wer wohl in den kommenden beiden Spielzeiten um den Aufstieg in die 2. Klasse spielen wird, so ist die Antwort alles andere als Hellseherei.
Und dennoch: Die Realität, und genau dies macht die Faszination am Sport aus, zeigt, dass zumindest in dieser Saison die Platzierung der Klubs eine etwas andere war. Um dies hier auch mit einem Schaubild zu belegen, wurde aus den erhobenen Zahlen ein Effizienzbetrag errechnet, der zeigt, wie viel Mittel ein Club durch Zuschauereinnahmen einsetzen konnte, um seine tatsächliche Platzierung zu erreichen. Ein wirklich beeindruckendes Schaubild ergibt sich daraus:

 
 
 
 
 


Was kann man hier ablesen? Nun, der wahre Meister der Liga ist Königsborn (!), denn für den erreichten 8. Platz haben sie die wenigsten finanziellen Mitteln zur Verfügung. Gerade mal gut 3000€ benötigten Königsborn um einen Rang nach oben zu klettern. Dass ihnen nach Platz 8 die Puste ausging, könnte an den wenigen Zuschauern gelegen haben oder an den niedrigen Eintrittpreisen J. Während Frankfurt 56 T€ benötigte um einen Platz nach oben zu klettern, schaffte es Königsborn mit 18(!) mal weniger. Und bedenkt man, dass diese Zahlen nur auf Zuschauereinnahmen schauen, Sponsoren somit komplett außen lassen, so sollte man wohl eingestehen, dass die Schere in der Realität noch weiter auseinanderklaffen muss.
Frankfurt und Kassel haben irgendetwas gravierend missverstanden. Hier standen in dieser Saison die „Geldverbrennungsanlagen" der Liga. Diese beiden Clubs sollten sich einmal in Dortmund schlau machen, wie es geht mit möglichst wenig sehr viel zu erreichen. Dortmund, auf Platz 2 des Effizienzdiagramms, wurde tatsächlich auch gleichzeitig Meister. So gesehen ein wahrlich rechtmäßiger und würdiger Titelträger.
Über Bad Nauheim möchte ich hier gar nichts ableiten. Zum einen steht der endgültige Erfolg dieser Saison noch komplett aus und zum anderen wäre jede Aussage eine falsche, da ich persönlich Bad Nauheim mehr mit dem Herzen als mit Statistik bewerte. Sollte die Saison dort enden wo wir alle es hoffen, dann hätte sich der Einsatz an Finanzen und vor allem an „Herzblut" wahrlich gelohnt. In diesem Falle gönnen wir Nauheimer Fans sicherlich auch Dortmund den Titel „rechtmäßiger Westmeister"… und im Übrigen: Jeder Club-Verantwortliche wird ganz sicher alle hier genannten Zahlen und Überlegungen völlig anders sehen!

 
 

2. März 2012

 
 
 
 
 
 

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