Tecks Spielwiese

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2016/2017

Saisonchroniken > 2010er Jahre
 

Ohne Worte

 
 

Was für eine vertrackte Saison! Lange fiel mir die Einleitung zu einer Saisonchronik nicht mehr so schwer wie in diesem Jahr. Eine passende Überschrift zu finden, war dabei das größte Problem. Wie soll man diese Spielzeit überschreiben? Arbeitstitel gab es genug. „Freier Fall" stand bis Januar über dem Entwurf. Nach dem ersten Auswärtsspiel in Bayreuth war Kujalas Ausspruch „Eierlos" mein Favorit, doch da sich die Spielweise gegen Ende der Hauptrunde wieder etwas besserte, fand ich es als Jahresüberschrift zu hart. „Stets bemüht" hätte auch herhalten können – aber war dem wirklich so? Es gab auch (Auswärts-) Spiele, da konnte man selbst das nicht guten Gewissens behaupten. Nach langem Überlegen habe ich mich für „Ohne Worte" entschieden, kann man es doch in beliebiger Weise interpretieren; als Überschrift über einem schlechten Witz, als Sprachlosigkeit oder auch als Stimmenthaltung. Soll doch jeder nach seinem eigenen Empfinden den Titel deuten, wie er die letzten Monate empfand…
Auf jeden Fall heißt es, jetzt, nachdem das letzte Bully gespielt wurde, erst einmal sich kräftig schütteln und dann sportlich neu sortiert die kommende Spielrunde angehen. Das, was sich nach dem 20. November 2016 abspielte, sollte sich in dieser Form bitte nicht noch einmal wiederholen. Aber ziehen wir das Fazit wieder am Schluss dieser Chronik; dort gehört es schließlich hin.
Im Frühjahr und Sommer 2016 hatte es gar nicht schlecht angefangen. Nachdem die letzte Saison mit dem sechsten Hauptrundenplatz abgeschlossen wurde und zudem Bremerhaven in die DEL entschwand, machte man sich in Fan-Kreisen der Roten Teufel keinen allzu großen Kopf um das Abschneiden in der kommenden Spielzeit. Die „Fischköppe" zählten schließlich jahrelange immer zu den Top-4 der Liga und machten so mit ihrer Übernahme der DEL-Lizenz von den Hamburg Freezers freiwillig einen sicheren Playoff-Platz frei. Aufgestiegen war mit Bayreuth ein Club, der nicht mal die Meisterschaft in der Oberliga erringen konnte. Den hatte sich ja bekanntlich der holländische Verein aus Tilburg geholt und durfte nur deshalb nicht in die DEL2, weil hier nur deutschen Clubs Zutritt gewährt wird.
Was also sollte da bei der Wiederholung des letztjährigen Erfolgs schon groß schief gehen? Immerhin waren fast alle Leistungsträger des letzten Jahres an Bord geblieben. „The Wall" Mikko Rämö, Goldhelm Nick Dineen, Fighter Andreas Pauli, Jungjuwel Eugen Alanov, Top-Verteidiger Joel Johansson; sie alle wollten auch 2016/17 wieder für die Rot-Weißen ihr Bestes geben. Was manchen vielleicht etwas verwunderte: Sogar ein Vitalij Aab verschob seinen Eishockey-Ruhestand noch einmal und mit ihm blieben auch andere „potentielle Hockey-Rentner" wie Dusan Frosch oder Harry Lange in der Mannschaft. Aber bitte: Diese Formulierung keinesfalls als Affront gegen die Genannten auffassen! Alles ist eben relativ und nicht jeder ist ein Jaromír Jágr, der mit 45 Jahren noch Eishockey auf Höchstniveau spielen kann. Es soll lediglich unterstreichen, dass unser diesjähriges Team nur über wenige Spieler im sogenannten „besten Eishockey-Alter" verfügte, denn auch auf der Neuzugangsseite fand man mit Radek Krestan einen zwar in der Liga bekannten Spieler, aber auch er gehört dem gleiche Jahrgang wie Dusan Frosch an.


 
 

Radek Krestan schoss das erste Punktspieltor und trug lange Zeit den Goldhelm des besten Scorers in  der Saison 16/17   (Foto: EC-News01, Chuc)

Bei den Abgängen schmerzte vom sportlichen Gesichtspunkt eigentlich nur Dustin Cameron und bedingt Joel Keussen. Dass Henry Laurila als fünfter Ausländer nicht bleiben würde, war eigentlich schon im Voraus abzusehen. Alex Baum und Patrick Strauch beendeten ihre aktive Karriere und bekamen am 5. November 2016 noch ein sehr schönes Abschiedsspiel von der GmbH spendiert, gespickt mit vielen Stars aus längst vergangenen EC-Tagen.
Letztendlich fand Trainer Kujala in seinem Heimatland auch noch einen „Best-Ager". Den Stürmer Juuso Rajala kannte zwar hierzulande kein Schwein, aber man sollte seine Qualitäten im Laufe der Saison schon noch schätzen lernen. Auch wenn es wieder despektierlich klingen mag, aber den Rest der Neuverpflichtungen konnte man „unter ferner liefen" einordnen. Abgesehen von Marcus Götz, er war ja bereits schon einmal in Bad Nauheim und ließ bei seiner erneuten Verpflichtung nun niemand so wirklich himmelhoch jauchzen, fanden sich junge Perspektivspieler im Kader ein. Marius Erk aus Neuwied, Marcel Pfänder von EHC Klostersee, Tom Pauker aus Selb und Dominik Meisinger von den Krefelder Pinguinen waren allesamt Newcomer in der DEL2 von denen keiner spielentscheidende Akzente erwarten sollte – zumindest noch nicht in der kommenden Saison. Die GmbH ging in ihrer vorauseilenden Zukunftsplanung sogar einen Schritt weiter und verpflichteten die Youngster Nico Kolb und Maurice Keil, die sie aber gleich wieder als Leihgaben an Oberligisten Leipzig weitertransferierten. Diese Verpflichtungen waren ganz klar ein Zeichen, dass man konsequent an der Umsetzung der Agenda 2020 arbeitete und dabei auf junge Spielern setzen möchte. Einer aktuellen Mannschaftsverstärkung dienten diese Verpflichtungen nicht.

 
 

So fand sich zu Saisonbeginn ein zwar quantitativ gut bestückter Kader zusammen, ob jedoch auch die Qualität stimmte, mussten die kommenden Wochen erst noch zeigen. Im Wesentlichen bestand das Team zum einen aus blutjungen und zum anderen aus schon etwas gereiften Cracks; die einen mussten noch zeigen was in ihnen steckte, und die anderen mussten zeigen was noch in ihnen steckte. Das kleine Wörtchen „noch" und seine Stellung im Satz machte den Unterschied.
Die Spielzeit 16/17 begann diesmal mitten im Hochsommer – zumindest was die Temperaturen anging. Bei schweißtreibenden 30°C kreuzten die beiden unbeliebtesten Mannschaften der Liga (zumindest aus Nauheimer Fan-Sicht) die Schläger beim Summer Game 2016 in der Fußballarena der „verbotenen Stadt". Frankfurt wollte mit der Einladung des aktuellen DEL2-Meisters, den Huskies aus Kassel, den Zuschauerrekord von 31.853 Besuchern aus dem Januar des gleichen Jahres im Dresdener Dynamostadion toppen. Ein Match gegen die „Rübenbauern aus der hessischen Provinz" kam ihnen leider nie in den Sinn. Was anfangs bei den EC-Fans ein wenig für Neid-Gefühle sorgte, fand jedoch seine Quittung in der tatsächlichen Besucherzahl. Offiziell fanden sich 30.000 „Eventys" im Waldstadion (ich weiß die Sportstätte heißt inzwischen anders…) ein – eine seltsam glatte Zahl, die vermuten lässt, dass man sogar die 30.000er Marke nicht wirklich knacken konnte. Aber egal, es wurde zugegebenermaßen dennoch ein recht ansehnliches Sommer-Match geboten, das die Huskies mit 4:5 nach Verlängerung gewannen. Die meisten Nauheimer Fans sparten sich den Weg nach Frankfurt und schauten mal rasch in der Sport1-Live-Übertragung vorbei…

 
 

In Bad Nauheim gab es zu dieser Zeit nichts wirklich Aufregendes zu vermelden. Das Gesellschafterteam der GmbH verringerte sich im Sommer um Thomas Korff und Bernd Kröll. Ein halbes Jahr später besetzten Jürgen Geretschläger und Martin Schröer die beiden freien Plätze. Der einzige Reizpunkt des Sommers hatte sich inzwischen wieder weitestgehend gelegt. Stein des Anstoßes war die Einführung eines neuen „Corporate-Designs", wie man heutzutage auf Neu-Deutsch die einheitliche Darstellung aller Werbe- und Identifikationsmerkmale einer Firma oder eines Vereins bezeichnet. Diesem fiel auch das 2003 eingeführte Teufelslogo zum Opfer.

Zwei Logos, eine Marketingfirma, eine Idee zweimal verkauft?

 
 

Der Teufelskopf sei zu aggressiv und werde daher von vielen Sponsoren als Werbesymbol für untauglich eingestuft, so die Aussage der GmbH-Führung. Was nun als Logo für den EC herhalten sollte, wurde durch den Großteil der Fangemeinde als „billige Dutzendware" abgetan. In der Tat zeigt das neue Logo ein Erscheinungsbild, das für jeden x-beliebigen Eishockeyclub hätte als Wappen herhalten können. Dabei erinnerte es verdächtig stark an die Kopie des Logos der HSG Wetzlar. Ist es dort die Silhouette eines Handballspielers, so zeigt sich hier die eines Eishockeycracks im Zentrum der vereinsfarbenen Logoscheibe. Bezeichnenderweise wurden beide Logos von der gleichen Marketingfirma erstellt. So kann leicht der Eindruck entstehen, dass diese Firma eine Idee gleich zweimal gewinnbringend verkaufte.
Sei’s drum; auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass man ein Logo nicht beliebig oft wechseln sollte, so geschah gerade dies im Laufe der Nauheimer Eishockey-Tradition statistisch gesehen in jeder Dekade. Zwischen dem ersten VfL-Wappen im schlichten Schwarz-Weiß-Design mit einem stilisierten Nauheimer Sprudel und dem neuen Corporate Design-Logo liegen 70 Jahre und acht (!!!) verschiedene Markenzeichen (siehe Kopf dieser Webseite).
Doch wie gesagt, diese Diskussion füllte lediglich das Sommerloch. Ab sofort stand wieder das sportliche Geschehen im Mittelpunkt, … letztendlich egal unter welchem Zeichen. Aber gerade auf der sportlichen Seite gab es nichts Berauschendes zu vermelden. Die sieben Vorbereitungsspiele gingen allesamt verloren… Ach nein: eines endete unentschieden, denn das Heimspiel gegen Heilbronn wurde beim Stande von 2:2 wegen Nebel und zu weichem Eis abgebrochen. So startete die neue Spielrunde am 16. September mit sichtlich weniger Euphorie, als es in den letzten Jahren der Fall gewesen war. Auftaktgegner im CKS waren die Dresdner Eislöwen. 2230 Zuschauer wollten diese Begegnung sehen. 2230? Kurze Rechenaufgabe: Geplanter Hauptrundenschnitt in dieser Saison waren sehr optimistische 2600; minus tatsächliche Besucher in Höhe von 2230 machten schon am ersten Spieltag 370 zahlende Gäste zu wenig. Hm…
Belassen wir es erst einmal bei diesem „hm". Die Planzahl 2600 war natürlich auch verdammt sportlich angesetzt. Im letzten Jahr hatte der EC einen Schnitt von 2630 Besucher pro Spiel; allerdings inklusive der Playoffs. Das diesjährige Auftaktspiel war nichtsdestotrotz vollauf angetan, dass es den geplanten Schnitt (und mehr) verdient gehabt hätte. 3:1 gewann Bad Nauheim gegen die Sachsen und Juuso Rajala ließ schon früh sein Können aufblitzen. Er gab nach 1:46 gespielten Minuten einen sauberen, punktgenauen Pass auf Radek Krestan, der den Puck erstmals in dieser  Punktrunde als sehenswerten One-Timer ins gegnerische Gehäuse drosch. Am Ende bedeutete der Sieg Platz 2 in der Starttabelle, den die Roten Teufel sich mit Kaufbeuren teilten. Auch die Allgäuer hatten ihr Spiel 3:1 gegen Freiburg gewonnen. Ohne viel vorweg zu nehmen: Es sollte dies die beste Platzierung der Hauptrunde für unser Team bleiben.
Dies bedeutet aber nicht, dass es von nun an sportliche Schmalkost zu sehen gab. Nein, das ganz sicher nicht! Die Spiele der Rot-Weißen zeigten im ersten Saisondrittel durchaus ansprechendes DEL2-Niveau. So wie es alle erwartet hatten, waren die Partien durch die Bank spannend und zeigten zuweilen dramatische Verläufe. Sehr selten gingen die Fans mit einer geballten Faust in der Tasche nach Hause, aber genauso selten auch mit himmelhochjauchzender Euphorie. Was aber schon zu diesem Zeitpunkt auffiel: Es mangelte erheblich an der Chancenverwertung. Effizienz schien für die Mannschaft  buchstäblich ein Fremdwort zu sein. Sie erarbeitete sich viele gute Möglichkeiten, aber irgendwie schien der gegnerische Torwart immer gegen uns seinen besten Tag zu erwischen. Gegen Ende der Saison formulierte Manuel Dietrich im Forum sehr treffend: „Bei unseren Stürmern sieht jeder OL-Goalie wie ein NHL Tormann aus." Bei näherem Hinschauen musste man sich aber auch eingestehen, dass einige Spieler nicht ihre erwartete Form auf das Eis brachten. Allen voran Nick Dineen. Hatte er noch vor einigen Monaten die Zuschauer durch technische Kabinettstückchen mit der Zunge schnalzen lassen, so klebte ihm jetzt nicht nur das sprichwörtliche Schusspech am Schläger, er haderte auch selbst mit seiner Verfassung. In dieser Saison hatte Petri Kujala ihn zum Kapitän ernannt. Ob es jene Verantwortung war, die ihn einengte oder andere Faktoren wird er wohl bis heute selbst nicht beantworten können.
Doch nicht nur er. Auch Dusan Frosch hinkte seiner Vorjahresform um Längen hinterher. Dem Deutsch-Tschechen gelang so gut wie nichts. Besser in Fahrt kam dagegen Oldie Vitalij Aab. Hinter vorgehaltener Hand hatten schon einige gemunkelt seine Weiterverpflichtung sei ein reines Versehen gewesen, weil man zu Weihnachten 2015 vergessen hatte die bestehende Option zu kündigen. Doch zu Saisonbeginn konnte er gegenüber dem Vorjahr wieder „einige Schippen" drauflegen.
Nun, trotz der an den Tag gelegten Ineffizienz beim Scoren, machten alle Sturmreihen ihre Tore in akzeptabler Anzahl. Wenn auch die 2. Reihe mit Juuso Rajala sicherlich den größten Anteil daran hatte, so hielten sich die Roten Teufel im ersten Drittel der Hauptrunde fast durchweg in den direkten Playoff-Rängen – genau da, wo die Kurstadt-Anhänger ihren Club auch erwartet hatten.
Dies änderte sich just zu dem Zeitpunkt, an dem man im Vorjahr den Grundstein zu Platz 6 legte. Damals brachten Dezember und Januar 15 Siege aus 20 Spielen. Heuer aber befiel die Roten Teufel Ende November eine unglaubliche Seuche. Das erste Symptom: kurzzeitiger Tiefschlaf! Fast regelmäßig trat dieser in den Spielen auf und brachte die Mannschaft immer wieder um sichergeglaubte Punkte. Krass und unverständlich, wie häufig sich die Roten Teufel diese Aussetzer leisteten. Die WZ stellte um Weihnachten die Blackouts zusammen: In Weißwasser gab es drei Gegentreffer in fünf Minuten, gegen Bayreuth deren zwei in 55 Sekunden; brauchte Riessersee noch vier Minuten für zwei faule Eier, so erledigte Kaufbeuren dies in 39 Sekunden. Rosenheim nahm sich acht Minuten für drei Tore Zeit, Frankfurt 34 Sekunden für zwei Gegentreffer. Dachte man in Kassel sei mit drei Treffern in 2:40 Min der Tiefpunkt erreicht, so benötigte Crimmitschau für die gleiche Anzahl Gegentreffer gar nur 82(!) Sekunden! Total unverständlich was da abging.

 
 

Tor  für  Bietigheim  nach  Videoentscheid. 0,7 Sekunden vor Spielende  (Foto: Sprade TV)


Auch die erste Heimpartie gegen Bietigheim reihte sich in diese Serie mit ein. In einem außerordentlich sehenswerten Spiel führte der EC schon mit 3:1, musste aber Sekundenbruchteile vor der Schlusssirene noch den 4:4-Ausgleich hinnehmen, obwohl es knapp zehn Sekunden vor Spielende noch Bully in der neutralen Zone gegeben hatte. Es bedurfte des in dieser Saison neu eingeführten Videobeweises, um über diesen Treffer zu entscheiden. Zuvor hatte der Schiri bereits zwei Treffer des Gegners, ebenfalls aufgrund von Videobeweisen, nicht gegeben. Dass der EC das Spiel in der Verlängerung auch noch verlor, machte die Unkonzentriertheit so kurz vor Ende umso ärgerlicher. In diesen Tagen ließ der EC viele Punkte leichtfertig liegen und so wunderte es nicht, dass man nicht nur aus den Playoff-Rängen rutschte, sondern sogar um die Pre-Playoffs fürchten musste.


 
 

Kurz vor Weihnachten war Halbzeit der Saison. Ein Zwischenfazit zu ziehen fiel diesmal nicht schwer. Guter Start, stark nachgelassen und totaler Durchhänger zur Rundenhälfte, kurz gesagt: ein eklatanter Leistungsabfall in den ersten drei Monaten; genau zu der Zeit, in der sich normalerweise ein neuformiertes Team zusammengefunden haben sollte!
Hatten die Fans anfangs noch des Öfteren Spaß am Spiel der Roten Teufel, so gab es nicht wenige Stimmen im Internetforum, dass man sich nun nur noch ins Stadion quälen müsse. Als Konsequenz schlug sich dies immer fataler in den Besucherzahlen nieder. Bis Weihnachten hätten laut Plan 15 * 2.600 = 39.000 zahlende Fans die Stadiontore passieren müssen; es kamen genau 34.337. Das waren 4663 – und somit mehr als ein komplett ausverkauftes Haus – weniger als geplant. Abgesehen von den beiden Derbys gegen Frankfurt (4308) und Kassel (3553) sowie dem Gastspiel des ESV Kaufbeuren (2655) lagen alle Begegnungen der ersten Halbrunde unter dem vorgegebenen Schnitt. Gegen Ravensburg hatte man, allerdings an einem Dienstagabend, mit 1450 Besuchern den absoluten Minusrekord zu verzeichnen. In Anlehnung an das neue Logo, wo die englische Angabe „since 1946" das Gründungsjahr unsere Sportart in der Badestadt betont, provozierte Oliver Simunic, Forumslesern besser bekannt unter „Allen Strange", mit einem amüsanten, wenn auch traurigem Wortspiel, als er meinte: Spieltag für Spieltag dürfen wir zuschauertechnisch auf die Beantwortung der subtilen Frage innerhalb unseres neuen Logos gespannt sein: Sind's 1946?
Trotz dieses Negativtrends konnte auch 2016 wieder ein Sonderzug ins Leben gerufen werden. Am 27. November rollte der Partyzug nach Rosenheim, wo die Oberbayern eine sehr zähe Saison spielten. Doch gegen Bad Nauheim reichte es zu einen 4:3-Sieg, was die Stimmung unter den Sonderzugfahrer aber nur kurzzeitig sinken ließ.
Dennoch musste man festhalten: seit 2009/2010 schrieb man das erste Mal rückläufige Zuschauerzahlen; und dies alles trotz eines neuen Dauerkartenrekords im Vorfeld der Saison (831 Karten) – ein Warnsignal, das eigentlich alle Glocken hätte schrillen lassen müssen! Doch selten lag der Grund klarer auf dem Tisch: Seit Mitte November – damals noch auf Platz 5 rangierend -  ging es gnadenlos in den Abgrund: Am Vorabend vor Heiligabend hatten die Nauheimer Kufencracks nach 9 Niederlagen in 11 Spielen sich bis auf einen Punkt an die Playdown-Plätze heran "gearbeitet".
Sportlich gesehen zählten bis dahin die beiden Derbys gegen Frankfurt zu den positiven Höhepunkten. Beide Begegnungen konnten siegreich beendet werden. Kassel hingegen bereitete den Badestädtern sowohl im Kurpark als auch an der Fulda großes Kopfzerbrechen. Besonders die 7:1-Auswärtsklatsche schlug den Fans heftig auf den Magen. Dass die Bad Nauheimer Fangemeinde aber trotzdem hinter ihrem Club steht, bewies sie schon eindrucksvoll in der zweiten Oktoberhälfte. Die GmbH hatte angesichts der hohen Kosten für die vielen Infrastrukturmaßnahmen im Stadion ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen. Hier konnte jede EC-affine Person ihren Beitrag zur Zukunftsgestaltung leisten. Eine beliebige Spende ab 5,-€ konnte so in das Projekt eingezahlt werden, um den Zielbetrag von 77.777,- € bis zum 31. Oktober sicherzustellen. Nur bei Erreichen dieser Summe, würde das Geld auch wirklich seinem geplanten Zweck, der Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen, zufließen können. Was genau unter dem vielfältigen Begriff Infrastrukturmaßnahmen zu verstehen sei, ließ man dabei jedoch offen. Zum Auftakt des Projekts hatte der EC im Heimspiel gegen Rosenheim schon einmal gezeigt, was dies konkret für die Zukunft bedeuten könnte. Eine 60 qm große Videowand samt einer Soundanlage wurde unterhalb der Anzeigetafel installiert und demonstrierte welche zusätzlichen Werbe- und Darstellungsmöglichkeiten eine solche Einrichtung bieten könnte. Genau so etwas erwarteten die Crowdfunding-Teilnehmer und spendeten deshalb großzügig zusätzlich zu ihrem Eintrittsobolus. Am Ende des Projekts wurde der Zielbetrag sogar um einiges übertroffen! 955 Unterstützer hatten 84.338 € zur Verfügung gestellt. Eine großartige Leistung wie ich finde! Leider hörte man wenig über die Verwendung der Gelder. Erst drei Monate später – Ende Januar 2017 – klärte Geschäftsführer Andreas Ortwein auf Nachhaken der EC-News Redaktion die Fans über die Verwendung der Gelder auf: Sie hatten die Kosten der Übertorkameras sowie die Neueinrichtung des vereinseigenen Kraftraumes im alten Wasserwerk neben den Stadion gedeckt. Ein unbedeutend kleiner, nicht näher präzisierter Anteil, sei noch übrig. Von einer Videowand war leider nicht mehr die Rede. Doch versprach Ortwein auf einem Fantreffen im März 2017 genau dies: Die Videowand sei definitiv das nächste Projekt der GmbH!

*

Randbemerkung: Seit dem Aufstieg im Jahr 2013 manifestiert sich eine recht überflüssige Tradition, die sich leider auch in diesem Jahr fortsetzte. Mit schöner (oder besser: unschöner)  Regelmäßigkeit fiel in jedem Herbst der Topverteidiger für längere Zeit verletzt aus. War es in den Jahren 2013/14 und 2014/15 Dan Ringwald, so in diesem und im letzte Jahr Joel Johansson. Seinen Daumenbruch kompensierte man durch die Verpflichtung des slowenischen Nationalverteidigers Ales Kranjc. Er fand zwar sehr rasch Bindung ans Team, schloss die Lücke, die der Schwede hinterließ, ausgezeichnet, konnte aber die Talfahrt der Rot-Weißen auch nicht stoppen. Zudem meldete sich Aab eine Woche vor Weihnachten als Langzeitverletzter ab. Eine Knorpelabsplitterung im Knie legte ihn für 2 Monate lahm.
Keine guten Vorzeichen für den spielereichen Jahreswechsel. Gerade jetzt stand mit sieben Spielen in 17 Tagen die heißeste und anstrengendste Phase der Hauptrunde an. Angesichts der sportlichen Krise mussten diese Tage unbedingt den Umschwung zum Positiven bringen. Wollte man sich doch noch erfolgreich unter den Top-10 etablieren und die Abstiegsspiele vermeiden, so mussten genau aus diesen sieben Spielen mindestens 12 bis 14 Punkte geholt werden. Angesichts der Gegner sogar eine machbare Aufgabe, denn es handelte sich mit Riessersee, Freiburg, Heilbronn, Kaufbeuren, Bayreuth und Rosenheim allesamt um Mannschaften, die man zu Saisonbeginn sicherlich geschlagen hätte. Einzig das Auswärtsspiel in Bietigheim war wohl ein aussichtsloses Unterfangen.

 
 

Werner Bachmann wurde 4. Mitglied in der Bad Nauheim Hockey Hall of Fame  (Grafik: Marcel Simon)


Die Tage der Wahrheit wurden zu einem wahren Offenbarungseid. Schon der Auftakt zuhause gegen Riessersee ging schief. 3:4 nach Penaltyschießen verlor ein EC, der mit 0:2 grottenschlecht ins Spiel gestartet, sich dann aber gefangen und sogar mit 3:2 in Führung gegangen war. Doch eine völlig unnötige 5-Minuten-Strafe brachte die Teufel wieder auf die Verliererstraße. Vor dem Spiel hatte man noch Werner Bachmann, den alten Kämpen aus VfL-Zeiten mit der Aufnahme in die Hall of Fame geehrt. Was dieser sich dann im Spiel anschauen musste, machte ihm wohl wenig Spaß. In Freiburg das gleiche Bild. Wiederum verlor man im Shootout ohne selbst einen einzigen Penalty verwandeln zu können. Selbst in Heilbronn unterlag man glatt mit 5:3, rutsche erstmals in dieser Runde auf Playdown-Platz 11 und leistetet sich auch gleich noch eine Heimniederlage gegen Kaufbeuren. Als die Roten Teufel in der Verlängerung der Sudden Death ereilte, nahmen es die 2351 Zuschauer in stummer Schockstarre hin. Schlimmer noch kam es in Bayreuth, denn der Aufsteiger gewann deutlich mit 4:1 und brauchte dafür nur 10 Minuten im 2. Drittel…
Der EC hatte plötzlich bei einem Spiel mehr sechs Punkte Rückstand auf die Pre-Playoff-Plätze und nur noch neun Punkte Vorsprung vor dem Tabellenletzten Crimmitschau. Wahrlich ein Tabellenstand der nicht nach dem Selbstverständnis des Clubs sein konnte. Aber eine Reaktion seitens der Führung war nirgends wahrzunehmen. Inzwischen überschlugen sich die Fans an Sarkasmus im Forum. Trainer Kujala stand genauso in der Schusslinie wie Geschäftsführer Andreas Ortwein. Wer Kujala kennt, weiß wie es in ihm rumort haben musste, als er während der Pressekonferenz in Bayreuth die Flucht nach vorne antrat und erstmals seine Mannschaft nicht mehr in Schutz nahm. Er sprach von einem „eierlosen" Verhalten seiner Spieler, die nur einen Rücken gesucht hätten, um sich dahinter verstecken zu können.

 
 

Bei Ortwein hatte es den Anschein er weigere sich hartnäckig über personelle Änderungen nachzudenken. Er forderte aber von der Mannschaft endlich eine Reaktion. Kreativität, irgendetwas gegen den freien Fall der Roten Teufel zu tun, schien in dieser Phase auf der ganzen Linie zu fehlen; jedenfalls drang nichts an die Öffentlichkeit. Weder Geschäftsführung und Gesellschafter noch Team und Übungsleiter gaben eine passende Antwort.
Sehr kreativ hingegen zeigte sich Stefan Hensel, alias „Anti Lions", in seinem Forumsbeitrag. Er machte aus seinem Herzen keine Mördergrube, als er sich seinen Frust poetisch von der Seele schrieb:

Freier Fall.
Gegner rasen an uns vorbei.
Nächster Halt: 'Heimrecht',
keiner steigt aus, keiner steigt zu,
mir wird schwindlig.
Den Aufprall vor Augen halte ich mir diese zu.
Einschlag - ihn höre ich nicht mehr.
   -   Stille    -
Ich wache auf
angstschweißgebadet
puuuh, nur ein schlechter Traum!
Leises Rauschen im Radio,
Sender unbekannt.
Eine freundliche Stimme erklärt: 'Derbyzeit in Bad Nauheim'.
Ein Lächeln huscht in mein Gesicht.
Rauschen ... 'Bad Nauheim erwartet viele Gästefans'.
Rauschen, viele Details verwischen
  -    'Lauterbach'   -
Einschlag - der Albtraum geht weiter…!


Die Angst vor einem möglichen Abstieg schlich sich erstmals in dieser Saison in das Bewusstsein der Eishockeyfans. Noch war es keine Panik, aber angesichts der absolut desolaten Form und der offensichtlichen Hilflosigkeit aller Verantwortlichen, konnte ein „weiter so" nicht die Antwort auf das aktuelle Problem sein. Und dennoch deutete alles auf hin.
Am 6. Januar hatte die WZ gerade einen Zwischenruf abgedruckt, in dem Redakteur Michael Nickolaus endlich ein Zeichen forderte, da kam doch Bewegung in den Stillstand. Die Verantwortlichen präsentierten noch vor dem Spiel in Bietigheim einen neuen Stürmer. Seltsamerweise aber war es mit Charlie Sarault ein Kanadier, der nun bereits als 6. Kontingentspieler die Mannschaft ergänzte. Diese Nachricht, obwohl im Fanlager freudig begrüßt, musste Anlass zu Spekulationen geben. Klar war, dass Bad Nauheim sich keine sechs Ausländer bis zum Saisonende werde leisten können. Mindestens einer musste also mit Sicherheit den Verein verlassen. Aber wer?
Gewiss nicht Jusso Rajala! Er war der einzige Lichtblick im Team, wenn auch mit einer sehr schlechten persönlichen Plus/Minus-Statistik ausgestattet. Doch diese war eigentlich nicht verwunderlich, da er gefühlt 90% der Spielzeit auf dem Eis stand. Somit musste unweigerlich die schlechte Gesamtbilanz des Teams auch auf seinem eigenen Plus/Minus-Konto zu Buche schlagen… Mikko Rämö hatte in den vergangenen Wochen etwas geschwächelt und Jan Gurcya nutzte seine Chance hervorragend. Nick Dineen konnten sich angesichts seiner monatelangen Formkrise die meisten am ehesten als Abgang vorstellen – aber er war Kujalas Kapitän!? Ales Kranjcs Vertrag lief am 8. Januar sowieso ab – würde es ihn treffen? Und Joel Johansson? Auch er zeigte nach seinem Comeback Licht und Schatten. Wer also würde aus dem Team fliegen?
Die Beantwortung dieser Fragen wurde jedoch erst einmal vom nächsten Doppelspieltag verdrängt. Vor dem Abschlusswochenende der „englischen Wochen" rund um Weihnachten und den Jahreswechsel standen zwei völlig unterschiedliche Spiele an. Zunächst ging es am Drei-Königstag zum Tabellenführer Bietigheim, wo man sicherlich überhaupt nichts zu verlieren hatte, und danach folgte das Heimspiel gegen Rosenheim. Die sonst so starken Oberbayern hatten bisher eine miserable Runde gespielt und standen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Ihre Situation war somit noch prekärer und genauso meilenweit von den Saisonvorstellungen des Clubs entfernt wie die unsrige.
Und dann eine mittlere Sensation: In Bietigheim gewann das gebeutelte Team aus der Kurstadt überraschend mit 2:4. Wow!!! Das hatte niemand erwartet! Schaute man auf die Match-Statistik, sah man, dass gerade die eingesetzten Kontingentspieler eifrig gepunktet hatten. Dineen sammelte 2 Assists und schoss ein Tor, Johannson gab eine Vorlage und traf ebenfalls einmal und Jusso Rajala legte seinen Nebenleuten zweimal auf. Nur Kranjc blieb ohne Erfolgserlebnis und Rämö hatte wieder für Guryca seinen Platz geräumt. Verrückte Welt – hatte die Neuverpflichtung von Charlie Sarault wirklich eine Blockade gelöst? Fast schien es so, denn auch Rosenheim wurde nur zwei Tage später mit 4:1 geschlagen. Seit dem 30. September (!) wieder einmal ein 6-Punkte-Wochenende.


 
 

Am Folgetag lösten sich die Fragen um die Mannschaft auf: Jusso Rajala wechselte zu den Eislöwen nach Dresden (also doch!!!), die inzwischen auf Rang drei der Tabelle zu finden waren. Ales Kranjc bekam einen Vertrag bis zum Saisonende und mit Steve Slaton wurde ein 35jähriger Deutsch-Amerikaner aus Bremerhaven als Zwei-Wege-Spieler verpflichtet. Sarault hatte in seinem Premierenspiel gegen Rosenheim tolle Leistungen gezeigt und so hoffte man Jusso Rajala etwas kompensieren zu können. Dennoch schade, dass ausgerechnet Rajala den Verein verlassen hatte, aber er war wohl auch mit Abstand der gefragteste EC-Spieler bei der Liga-Konkurrenz. Kein anderer weckte ähnliche  Begehrlichkeiten wie er.

Tor für Bad Nauheim im Spiel gegen Rosenheim. Nach dem 6-Punkte Wochenende keimte die Hoffnung auf Platz 10 wieder auf. (Foto: EC Bad Nauheim)

 
 

Der kurze Aufwind vom 6-Punkte-Wochenende, fand bereits am drauffolgenden Spieltag wieder sein Ende. In Frankfurt und zuhause gegen Kassel gab es Niederlagen und der Abstand auf die Pre-Playoff-Ränge vergrößerte sich erneut auf 6 Punkte. Realistisch gesehen ging es ab sofort nur noch um das Heimrecht in den Abstiegsspielen. Die Leistung der Mannschaft hatte sich im kämpferischen Bereich zwar etwas gebessert, aber mehr als ein redliches Bemühen kam dabei nicht heraus. Kein Wunder, dass die WZ am Montag nach dem Hessenderby gegen Kassel mit „Unproduktiv" titelte. Forum-User „daywalker" brachte die Enttäuschung über das Strohfeuer wohl auf den Punkt als er die Wilhelm-Busch-Verse umdichtete:


Und die Moral von der Geschicht:
von "war‘n bemüht" gibt‘s Punkte nicht.


Was dem EC diese Saison schon durchgehend gefehlt hatte, war ein klassischer Knipser. Jemand mit Torriecher, der wenigstens einige der vielen erarbeiteten Chancen auch mal in Tore ummünzen konnte. Selbst mit den „Neuen" war dieser nicht gefunden. Den Roten Teufeln lief so langsam die Zeit davon und dennoch sprach man noch immer davon, die Pre-Playoffs als sportliches Ziel realisieren zu wollen. Lippenbekenntnis oder echter Vorsatz? Nach den beiden Niederlagen gegen Frankfurt und Kassel setzte sich die Negativserie auch in Kaufbeuren fort. Am 39. Spieltag musste man seit dem 20. November die 16. Niederlage im 20. Spiel abhaken (zur Erinnerung: im letzten Jahr waren es 15 Siege in 20 Spielen). Das war mehr als frustrierend. Inzwischen hatte sich der EC auf dem 11. Rang eingenistet. Auf keinem anderen Rang hatte man dieses Jahr länger verharrt.
Es spricht für die Mannschaft, dass sie dennoch nicht aufgab und immer wieder versuchte nach oben zu kommen. In einer kleinen, fast nicht mehr für möglich gehaltenen Serie von fünf Siegen hintereinander, schaffte das Team auch tatsächlich den Kampf um Platz 10 noch einmal spannend zu machen. Für einige Spieltage kabbelte man sich mit dem Traditionsclub aus Garmisch um den letzten Pre-Playoff Rang. Mal stand Riessersee auf dem begehrten Platz, mal die Roten Teufel. Ein 4:7-Auswärtssieg an der Zugspitze schürte große Hoffnungen die Hauptrunde doch noch mit dem Minimalziel erfolgreich abzuschließen, aber eine völlig unnötige Niederlage in Rosenheim, ein verlorenes Penaltyschiessen im Heimderby gegen Frankfurt und der verantwortungslos leichtfertiger Umgang mit versiebten Chancen in Kassel, warfen die Kurstädter in ihren Bemühungen erneut zurück. Ausgerechnet jetzt dünnte eine Grippewelle den spielfähigen Kader weiter aus und Petri Kujala hatte seine Müh‘ und Not drei komplette Blöcke aufbieten zu können. Mikko Rämo räumte des Öfteren seinen Stammplatz im Tor für Jan Guryca, der seine Aufgabe aber immer hervorragend löste. So konnte Ales Kranjc die Anzahl der Feldspieler verstärken. Die wenigen, die spielten, lösen ihre Aufgaben in Bezug auf Kampfgeist und Leidenschaft zur Zufriedenheit. Gerade gegen Frankfurt und Kassel schlug sich Rot-Weiß nicht schlecht und hätte man die vielen, vielen Chancen konsequenter genutzt, dann… nun ja - dies kannte man ja schon hinreichend aus vergangenen Partien.
So blieben noch das Fastnachtswochenende mit dem Auswärtsspiel beim Tabellenletzten Crimmitschau und dem Heimspiel gegen Weißwasser, sowie das erste Märzwochenende mit dem Match beim Aufsteiger Bayreuth und dem Final Countdown gegen Ravensburg zuhause. Hier musste sich denn zeigen was noch machbar war. Und der Auftakt war vielversprechend! Dem EC gelang in Westsachsen mit 5:3 der ersehnte Auswärtssieg, während Riessersee zuhause gegen Freiburg sang und klanglos mit 0:3 die Segel streichen musste. Somit rutschen die Rot-Weißen wieder auf Platz 10, und jeder ging davon aus, dass dieser zumindest am Sonntag im Heimspiel gegen Weißwasser verteidigt werde.
Doch wie schon so oft in den vergangenen Jahren gab es an diesem närrischen Tag  kein „Humba humba tätärä", sondern einen vorweggenommenen Aschermittwoch. Die 0:2-Enttäuschung war deprimierend. Wer bei so vielen Chancen das leere Tor nicht trifft, ist letztlich selber schuld, wenn man ohne Punkte - dafür aber mit einer Riesenportion Frust - vom Eis geht. Nie traf die Beurteilung „sie waren stets bemüht" den Punkt besser als in diesem Spiel. Spielerisch war das Match alles andere als eine Glanzleistung. Nichts lief wirklich zusammen. Im ersten Drittel wirkten die Aktionen zerfahren, überhastest und planlos – auch Weißwasser trat nicht unbedingt wie ein Top-5-Team auf. Im 2. Drittel dann häuften sich gerade in Überzahl die Möglichkeiten für die Teufel. Der Druck war da, aber das Zielwasser floss irgendwo jenseits des großen Teiches die Usa hinab. Wer auch immer zum Schuss ausholte, heraus sprang nur ein entsetztes Aufstöhnen der ungläubigen Zuschauer. Der Treffer zum 0:1 für die Füchse war die logische Konsequenz. Das letzte Drittel glich einem einzigen Nauheimer Sturmlauf, doch auch dieser verpuffte, weil außer Kampf keinerlei durchdachte Aktion dabei heraus kam. Wieder gab es Überzahlsituationen, die kläglich verschenkt wurden. Als dann Sarault 2:05 Minuten vor Ende der Partie auch noch in die Kühlbox musste, war das Spiel gelaufen und das 0:2 ins leere Tor das i-Tüpfelchen auf einem total verkorksten Abend.

 
 
 
 

Das war’s! Empty Net Goal für Weißwasser zum 0:2, die Fahrkarte zu den Playdowns…   (Foto: Sprade TV)

 
 

Die maßlos enttäuschten Zuschauer liefen teils lauthals krakeelend mit hochrotem Kopf, teils mit Trauerflor im Knopfloch und gesenktem Haupt aus dem Stadion. Das schlimmste: Riessersee gewann parallel überraschend in Dresden sein Auswärtsmatch. Damit waren faktisch die Playdowns gebucht. Sicher - eine theoretische Restchance bestand noch, doch dann musste sich Riessersee selbst schlagen und die Roten Teufel gleichzeitig über sich hinauswachsen. Beides war sehr unwahrscheinlich… und wurde leider auch keine Realität. Obwohl die Roten Teufel beide Spiele des Abschlusswochenendes noch gewannen (2:3 in Bayreuth und 4:1 gegen Ravensburg) behielt auch Riessersee einen klaren Kopf und ließ zuhause gegen Heilbronn und in Crimmitschau nichts mehr anbrennen.
Playdowns also! Zum dritten Mal in vierten DEL2-Jahr. So ein Mist!! Damit hatten zu Saisonbeginn wohl nur die allergrößten Pessimisten gerechnet. In der Endabrechnung fehlte genau ein einziges Pünktchen auf Platz 10. Angesichts der vielen, vielen verschenkten Punkte im Laufe der Saison eine sehr ärgerliche Situation. Nie und nimmer hätte dies passieren dürfen – auch wenn die Berufsschönmaler gleich wieder davon sprachen, dass der eine Punkt Rückstand doch zeige, wie dicht man an den Top-Ten dran sei und genau das, nämlich der Kampf um Platz 10, unser Saisonziel gewesen sei. Es müssten eben mal vier Clubs in die Abstiegsspiele und Bad Nauheim habe Pech gehabt dieser zu sein – es hätte auch anders ausgehen können!
Man muss sich hier einfach wiederholen: Nein, das war kein Pech, das war Selbstverschulden, ganz verdammtes Selbstverschulden und hätte nie und nimmer passieren dürfen! Aber bis zum Ende der Saison musste nun der Super-GAU Abstieg vermieden werden. Und dafür mussten alle noch einmal an einem Strang ziehen. Positiv denken, Augen zu und Crimmitschau in der Best-of-Seven-Serie wegfegen. Nur das konnte die Devise sein.
Am Dienstag, den 14. März 2017 startete die Mission Klassenerhalt. 2131 Zuschauer, top für einen Dienstagabend, hatten sich versammelt, um von Anfang an hautnah dabei zu sein. Wie zu erwarten gab es nicht das Spiel der technischen Superlative, doch nahm die Partie einen hochdramatischen Verlauf. Nach nervösem Start auf beiden Seiten, fiel das 1:0 für die Roten Teufel erst 19 Sekunden vor der ersten Pausensirene; Eigentor der Sachsen. Der permanente Druck der Kurstädter hatte den Lapsus aber erzwungen und so ging das Tor schon in Ordnung. Im Mitteldurchgang kippte das Ergebnis zugunsten der Eispiraten. Sowohl das 1:1 also auch das 1:2 waren ärgerliche, weil vermeidbare Tore, bei denen Mikko Rämö diesmal nicht besonders gut aussah. Dumm auch, dass Bad Nauheim sich wie so oft in dieser Saison vermeidbare Strafzeiten einhandelte. In diesem Match misslang ein Befreiungsschlenzer in Unterzahl, der zwar den Puck aus dem eigenen Drittel beförderte, aber in der Kurve hoch oben im Netz einschlug. Zwei zusätzliche Strafminuten wegen Spielverzögerung war die logische Konsequenz. Zum Glück überstanden die Roten Teufel die doppelte Unterzahl schadlos. Der Ausgleich durch Harry Lange und die erneute Führung durch Krestan machten Mut für das dritte Drittel. Wer nun im Nauheimer Lager auf den Ausbau der Führung hoffte, hatte die Rechnung ohne Crimmitschau gemacht. Erneut enterten die Piraten das schlingernde EC-Boot mit dem Ausgleich und so ging es erstmals in dieser Saison in eine 20-minütige Verlängerung. Bad Nauheim dominierte, aber Crimme kam immer wieder gefährlich zu Kontern. Krestan vergab einen Penalty gegen Ryan Nie, der in dieser Partie klar der bessere Goalie war. Schiri Westrich übersah, zudem, dass die Eispiraten einen Befreiungsversuch in Unterzahl ebenfalls über die Bande beförderten. Ein lautstarkes Pfeifkonzert begleitetet das Ausbleiben der 3:5-Überzahl für die Roten Teufel. Doch in der letzten Spielminute der ersten Verlängerung kam die Erlösung: Ausgerechnet der vielgescholtene Nick Dineen zirkelte die Scheibe im Powerplay hoch in den rechten Winkel… 1:0 nach Spielen für Bad Nauheim.
Zwei Tage später schossen Andreas Pauli, Tom Pauker, Charlie Sarault und Nick Dineen die Kurstädter zu einem ungefährdeten 4:0-Sieg im Sahnpark, womit nach dem knappen Spiel am Dienstag nur wenige gerechnet hatten. Dabei überzeugten die Roten Teufel endlich einmal und lockten somit 2433 Zuschauer zur dritten Partie in den Kurpark. Im ersten Drittel setzte die Heimmannschaft fort, was sie in Westsachsen so ordentlich praktiziert hatten. Mit Druck und Elan suchte sie eine frühe Entscheidung. Der Treffer zum 1:0 fiel aber wieder erst gegen Ende des ersten Drittels, diesmal durch Krestan im Powerplay. Doch Crimmitschau zeigt ab dem zweiten Durchgang die bisher beste Playdown-Leistung. Sie schnürten Nauheim des Öfteren ein, kamen in der 29. Minute zum Ausgleich und niemand hätte sich beschweren können, wäre hier auch noch der Führungstreffer gefallen. Zum Glück stand Mikko Rämö an diesem Tag wieder wie eine Wand und rettete immer wieder den Gleichstand. Auch im letzten Drittel das gleiche Bild. Nauheim agierte als müsse man nur eine sichere Führung verwalten, Crimme drängte auf den ersten Seriensieg. Verkehrte Welt als in der vorletzten Spielminute Kapitän Nick Dineen (wieder er!!!) den Badestädtern mit einem sehenswerten Treffer den dritten Erfolg bescherte. Gerade Dineen, für den diese Saison so enttäuschend verlaufen war, gönnten die Fans das zweite „match-winning goal" von Herzen. Nur noch ein einziger Sieg und der Klassenerhalt wäre unter Dach und Fach…
Ein „Sweep" gegen Crimme; die einzig richtige Antwort auf die Enttäuschung des Playoff-Verpassens! Doch es kam komplett anders als erhofft. Schon auf der Autobahn erwischte es den Mannschaftsbus; er blieb in einer Vollsperrung stecken. Erst 30 Minuten später als geplant konnte die Partie angepfiffen werden. Was die Roten Teufel die ersten 40 Minuten auf das Eis im Sahnpark zauberten, war alles andere als „Sahne". 3:0 zog Crimme völlig berechtigt davon. Auch Dineen hatte an diesem Tag nicht das Glück der vorangegangen Spiel, denn auch er verpasste mit einem vergebenen Penalty gegen Nie den ersehnten ersten Treffer. Erst im Schlussdrittel besann sich der EC endlich noch einmal aufs Eishockeyspielen. Die beiden Tore von Vitalij Aab reichten aber nicht, um den erhofften Sweep zu realisieren. Neben der schlechten Leistung der Kurstädter, war das Match auch durch viele Ruppigkeiten geprägt, sodass Schiri Westrich insgesamt 117 Strafminuten verhängte. Noch nach der Schlusssirene leistete der beste Spieler der Sachsen, Goalie Ryan Nie, seinem Team einen Bärendienst: Er zettelte eine Massenschlägerei an, nachdem Alanov ihn mit einem Schluss an den Schoner seiner Meinung nach provoziert hatte. Seine Kurzschlusshandlung brachte ihm eine Matchstrafe mit 2 Spielen Sperre ein.

 
 

Nach  der  2:3-Niederlage entluden sich  die Emotionen. Doch nicht der Verlierer, sondern der Gewinner zettelte die Schlägerei an.   (Foto: Sprade TV)

Was für ein Vorteil für die Hessen! Zweiter Matchball vor eigenem Publikum ohne den Klassetorwart der Eispiraten! Die Partie am Freitag, den 24. März musste einfach das Ende der  Serie bringen. Das sagten sich auch 3012 Fans, die endlich wieder einmal in stattlicher Anzahl ins CKS strömten und vom Eröffnungsbully weg eine grandiose Stimmung verbreiteten. Allein das Spiel der Roten Teufel wollte nicht so ganz dieser Euphorie entsprechen. Die erste viertel Stunde ging klar an die Gäste; erst in den letzten 5 Minuten des ersten Drittel kam der EC besser in Fahrt. Dennoch stand es nach 20 Minuten noch 0:0. Das zweite Drittel brachte wesentlich mehr Schwung. Als Sarault in der 22. Minute das 1:0 schoss, bebte das Stadion wie zu guten Zeiten. War jetzt endlich der Bann gebrochen? Ja, denn kurze Zeit später gelang während einer 3:5-Überzahl Pauli das 2:0.

 
 

Was sollte jetzt noch schief gehen? Es lief endlich für die Roten Teufel. Doch Mikko Rämo machte es noch einmal spannend. Einen harmlosen Schlenzer von der Seite ließ er ins kurze Eck rutschen und sah dabei sehr dumm aus. Mann, Mann, Mann… das wäre ihm letztes Jahr nicht passiert! Aber es reichte trotzdem. Im letzten Drittel besorgte Pauli mit einem Sonntagsschuss gar noch das erlösende 3:1. Nach der Schlusssirene feierten die Fans dann auch als hätten sie soeben die Weltmeisterschaft errungen – auch kleine Erfolge können Freude bereiten! Ein wenig zu viel der Euphorie? Naja, wer nach einer solchen Saison, endlich wieder mal was zu feiern hat, der sollte es denn auch tun. Zum Glück war diese Saison nun Geschichte und auch im kommenden Herbst wird der EC in der DEL2 mit am Start sein. Das war alles, was jetzt noch zählte.

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Kommen wir am Ende des sportlichen Saisonrückblicks endlich zum Fazit dieser Spielzeit: Es war für das gesamte Nauheimer Eishockey keine gute Saison! Die DNL2-Mannschaft verpasste die Finalrunde, die 1b stieg ab und die erste Mannschaft verlor sehr früh ihren Faden. Glücklicherweise kam das DEL2-Team noch einmal mit einem blauen Auge davon, die Saison war aber definitiv so enttäuschend wie schon lange nicht mehr. Alle gesteckten Ziele, ob nun hinsichtlich Zuschauerzahlen, Tabellenplatzierung oder Zukunftsperspektive gingen irgendwie nicht auf. Haupt- aber nicht alleinige Schuld, trugen die ernüchternden Wochen zwischen Ende November und Mitte Januar. 16 Niederlagen aus 20 Spielen waren einfach zu viel des Schlechten und konnten auch durch den Aufwärtstrend der letzten Wochen nicht mehr aufgefangen werden. Für diese Durststrecke einen einzelnen Sündenbock auszudeuten, wäre sicher falsch. Fehler wurden aber ganz sicher gemacht, doch fanden sie vielschichtig statt und das – meiner Meinung nach – nicht erst in dieser Saison. Doch dazu später einige Sätze.
Ein Kardinalfehler dieser Krisenwochen war gewiss das lange Zögern der GmbH, bis endlich etwas geschah, um der Winter-Misere gegenzusteuern. Zu lange glaubte man mit „weiter so" würde man das Ruder schon noch herumreißen können. Zu Gute halten muss man den Verantwortlichen aber, dass vieles schief lief, womit niemand gerechnet hatte – vielleicht auch gar nicht rechnen konnte. Wer hätte denn ehrlich vor der Saison mit einer derartigen Blockade bei Nick Dineen gerechnet? Wer ahnte, dass Mikko Rämö doch öfters als gewohnt schwächeln würde? Wer hätte Dusan Frosch nicht mehr Tore zugetraut, als er tatsächlich erzielte? Wer konnte mit einer Rückwärtsentwicklung bei Marc Kohl, Jonas Gerstung und auch Diego Hofland rechnen? Es gab einfach zu viele Dinge, die man im Vorfeld anders einschätzen musste, als sie tatsächlich eintrafen. Petri Kujala hat in diesem Jahr nichts anders gemacht, als in der letzten Saison, wo er noch zum Trainer des Jahres gewählt wurde. Es war in beide Saisons nicht das „Hurra-Eishockey", dass man in Bad Nauheim so liebt, sondern ein zurückhaltendes, etwas zögerliches Spiel, das sicherlich auch ein stückweit den Charakter unseres Trainers widerspiegelt. Der Unterschied in beiden Jahren: 15/16 hatte Kujala Erfolg damit, diesmal nicht! Simpel aber mit gravierenden Folgen! So ist das im Sport. Es wird immer diese Unwägbarkeiten geben. Dennoch würde ich mir wünschen, dass das Team 2017/18 in vielen Positionen von dem der gerade abgelaufenen Runde abweichen wird. Es muss unbedingt eine rigorose Alters- und vor allem ehrliche Leistungszensur geben. Da werden nüchtern betrachtet nicht viele Akteure übrigbleiben.
Die Playdowns waren absolut nicht das Ziel und mit dem Klassenerhalt gegen Crimmitschau fiel man exakt auf das Niveau der Saison 2013/2014 zurück. Ein Rückschlag also von drei Jahren! Die Vision der Agenda 2020, sich bis zum Ende der Dekade unter den Top-4 der Liga zu etablieren, ist derzeit eher Wunschdenken als ein erkennbarer Weg. Ohne schwarz malen zu wollen, geht das Eishockey in der Kurstadt wohl schwierigeren Zeiten entgegen. Es gibt viele Indizien dafür, dass wir in Bad Nauheim in der nächsten Saison den Erwartungshorizont etwas herunterschrauben müssen. Indiz Nummer 1 ist der rückläufige Zuschauertrend, immerhin sank dieser um 327 Besucher pro Spiel. Lässt man die vier Derbys außen vor, so kamen gerade mal bei zehn Begegnungen mehr als 2000 Zuschauer. Schlüsselt man diese zehn Spiele weiter auf, so sticht ins Auge, dass zwei davon in die traditionell gut besuchte Zeit „zwischen den Jahren" fallen, zwei andere den Saisonauftakt (schon immer ein besonderer Publikumsmagnet) und Hauptrundenabschluss (stark vergünstigter Einlass für Vereine und letzte Hoffnung doch noch die Playoffs zu erreichen) darstellten. Ein weiteres Ü-2000-Spiel hatten wir mit dem  vielumworbenen Crowdfunding Auftakt und wieder ein weiteres als sich der unangefochtene Tabellenerste Bietigheim präsentierte. Bleiben also gerade mal vier Spiele, die man mit Fug und Recht als „ganz normale Liga-Spiele" bezeichnen kann. Das gibt nicht nur angesichts der verfehlten Planzahl von einem 2600-Schnitt zu denken, denn Bad Nauheim finanziert sich zu einem extrem hohen Prozentsatz durch Zuschauereinnahmen.

 
 

Noch ist der Rückgang nicht beängstigend, aber das Minus aus dieser Saison könnte sich in der kommenden Spielzeit fortsetzen. Wie am 16. Februar bekannt wurde, entschloss sich Frankfurts Führungsriege schon mal vorsorglich alles in die Wege zu leiten, um im Sommer gegebenenfalls als Nachrücker für einen ausscheidenden DEL-Club in die Elite-Liga nachzurücken. Sollte sich dies in die Tat umsetzten lassen, würde das den EC wiederum locker 5000 Besucher kosten, was knapp 200 Besucher im Schnitt weniger als dieses Jahr bedeuten würde. Heißt im Umkehrschluss: Entweder die Sponsorenakquise muss noch einmal konsequent gesteigert oder die Mannschaft um einiges billiger werden. Hier hat sich Ortwein schon mal beim Fantreffen im März positioniert: Das Mannschaftsbudget sei die letzte Stellschraube an der man drehen wolle! Gut so!

 
 

Den zweiten Hinweis, warum die Zukunft für das Nauheimer Eishockey nicht unbedingt rosarot aussehen wird, lieferte der Geschäftsführer auch gleich mit. Es sind altbekannte Sorgen, nämlich der Zustand unseres Eisstadions. Sicher, für etwa 1500 Hardcore-Fans ist das CKS absoluter Kult. Wir lieben es an kalten Spieltagen unmittelbar am eigenen Leib zu erfahren, dass es sich bei Eishockey um eine Wintersportart handelt. Zugige Ecken im Stadion, langsam nach oben kriechende Kälte, die nur durch genügend Anfeuerungsbewegung verdrängt werden kann, schlechte bis keine Sicht auf die Eisfläche wegen angelaufener Plexiglasscheiben im Herbst, Lautsprecherdurchsagen die man mehr erahnen muss als sie verstehen zu können… all dies hat eher Kultstatus, als dass wir uns noch darüber aufregen. Nun – was wir aus der Not heraus als Kult definieren, ist für andere schlichtweg ein untragbarer Zustand. Hätte man 1970 nicht das ehrwürdige Hundert-Tage-Stadion überdacht, würden wir eingefleischten Nauheim Fans auch ein offenes Stadion noch als „geil" empfinden; jeder Spieltag ein „Winter-Game" – wie cool wäre das denn?
In den Anfangszeiten meines Fan-Daseins Ende der 60er Jahre war es noch Usus, dass bei jedem Tor Silvesterraketen in den Nachthimmel geschossen wurden, dass jeder seine Thermoskanne Heißgetränk selbst von zuhause mitbrachte oder dass man für den kleinen Sohnemann eine Wasserkiste zwecks besserer Sicht auf das Eis ins Stadion schleppen konnte. Sicherlich erinnern sich auch noch viele daran, wie man(n) sich vor Errichtung der Toilettengebäude hinter der Kurve zur Erleichterung des Blasendrucks eine freie Stelle an dem zum Wald gelegenen Holzzaun suchte… Heute undenkbare Zustände; aber mal ehrlich: empfanden wir damals unser Stadion nicht auch als „kultig"? Wir kannten es einfach nicht anders.
Nicht selten hört man noch immer den Spruch „Wir brauchen hier keine Weicheier, sondern echten Eishockeyfans!!! Geht doch zum Schwitzen in die Löwensauna, wenn es euch hier nicht gefällt!" Nun ja, die Zeiten haben sich, bei vielen Dingen muss man sagen Gott sei Dank, geändert. Der Durchschnitt-Eishockeybesucher 2017 verlangt einfach mehr Komfort. Ein geschlossenes Stadion mit bequemen Sitzen, freie Sicht aufs Eis bei jeden Wetter, ein Videowürfen für Werbung und Spielszenenwiederholung, satter, und vor allem verständlicher, Surround Klang bei Stadiondurchsagen… all dies lockt weitaus mehr Besucher und Sponsoren an, als ein veraltetes Stadion mit Kult-Deckmäntelchen.
In diesem Jahr hat die GmbH wieder und wieder Vorstöße unternommen, die Stadt zu einem Umdenken zu bewegen und zur Rundum-Modernisierung des Stadions zu ermutigen. Wenigsten ein verlässliches Statement, wie es mit dem Eisstadion in den kommenden Jahren weitergehen soll, wollte man der Stadtführung entlocken. Am 25. Februar erschien in der WZ ein Artikel zur Zukunft des Stadions. Hier war die derzeitige Haltung des Rathauses eindeutig zu herauszulesen. Es wird in absehbarer Zeit aus finanziellen Gründen weder zu einem Stadionneubau noch zu einer aufwendigen Modernisierung des Colonel Knight Stadions kommen. Andere Prestigeprojekte wie das neue Thermalbad lassen keinen finanziellen Spielraum zu. Die Haltung der Stadt ist klar erkennbar: Ihr habt was ihr braucht; nämlich ein DEL2-taugliches Stadion (Zitat: "…sonst könnte der EC dort nicht antreten!"). Und ganz nebenbei: Bei den in diesem Jahr gezeigten sportlichen Erfolgen, ist eine solche Haltung sogar nachvollziehbar.
Zwar gelang es Ortwein und seinen Mitstreitern im Bürgermeister-Wahljahr 2017 sowohl einen regelmäßigen Gesprächskreis mit den Stadtvätern zu etablieren, als auch die Kandidaten der unterschiedlichsten Parteien dazu zu bewegen, die Zukunft des Eisstadions direkt in ihr Wahlprogramm mitaufzunehmen. Das ist mehr als lobenswert und bisher (soweit mir bekannt ist) noch nie der Fall gewesen. Doch wie verlässlich solche unkonkrete Aussagen eines Wahlversprechens später einmal umgesetzt werden, sollte jeder selbst für sich beantworten. Es gibt etwas Hoffnung, ja, aber Sicherheit dass sich bis 2020 etwas ändert…?

 
 
 
 

Was wird aus unserem Stadion? Gibt es einen Neubau, stimmt die Stadt einer Modernisierung zu oder bleibt alles beim Alten? Fragen ohne Antworten, trotz großer Bemühungen der GmbH…  (Foto: Teck)

 
 

Kommen wir zum dritten Tatbestand, welcher sich negativ auf die Zukunft unserer Sportart – zumindest wenn wir sie aus der Perspektive Leistungssport in einer DEL2 betrachten – auswirken kann. OK, es ist ein Punkt über den man trefflich streiten kann, weshalb ich hier betone, nur meine ganz persönliche Meinung widerzugeben (viele werden es komplett anders sehen – und ich wünschte sie hätten recht!). Dennoch ein paar Worte dazu: Die EC-Vision sich als Ausbildungsverein zu positionieren, birgt in meinen Augen einiges an zukunftshinderlichem Potential. So gut ich verstehen kann, dass man auf junge, hungrige und auch kostengünstige Spieler setzen will/setzen muss, stellt sich mir die Frage, kann die Idee eines Ausbildungsclubs überhaupt der optimale Weg für einen Verein mit aufstrebender Zielsetzung sein? Wer im Sport immer besser werden will, muss sehen, dass er gute Spieler im Verein hält. Ausbildungsclub zu sein heißt dagegen, dass die besten Spieler immer genau dann abwandern, wenn sie konstant gute Leistungen zeigen. Also genau dann, wenn sie dem Verein effektiv bei seinen aufstrebenden Zielen unterstützen könnten. Dass Bad Nauheim Eishockey Spieler ausbilden will und muss, daran gibt es gar keinen Zweifel. Doch sie auszubilden, um sie dann abzugeben, macht für mich wenig Sinn. Da es heute (glücklicherweise!) keine Ablösezahlungen mehr gibt, ist hier finanziell keine Einnahmequelle für den Club zu sehen. Es generiert keinen finanziellen Mehrwert, den man in die Mannschaft reinvestieren kann! Man kann argumentieren, dass es das Recht jedes guten Spielers sei, sein Glück bei einem finanzkräftigen Club zu suchen. Wenn der EC diese finanziellen Möglichkeiten nicht bieten kann, dann wandert er eben ab… Stimmt! Aber es sich quasi als Ziel zu setzen, dass man Spieler nur ausbilden möchte und dann nicht halten will/kann, ist für mich der falsche Ansatz. Manch einer wird sich noch erinnern, dass genau dieser Gedanke schon einmal von ganz anderer Seite an uns herangetragen wurde, nämlich von den Frankfurt Lions. Damals glaubten die Verantwortlichen des Nachbarn sich ein Farmteam aufbauen zu können und nicht selbst den Nachwuchs ausbilden zu müssen. Die Idee fand ehedem zum Glück keine Zustimmung in Bad Nauheim. Heute, wo man anscheinend selbst diese Idee aufgreift und zur Vision macht, ist sie in meinen Augen keinen Deut besser als damals. Selbst wenn man dem Gedanken positiv gegenüber steht, so ist im Augenblick nichts von einem Ausbildungscharakter zu erkennen. Markus Jehner, bisheriger Trainer der 1b bemängelte am 20. März in der WZ den fehlenden Ausbildungsaspekt der zweiten Mannschaft. Seinem Team wurde es zum Verhängnis, dass talentierte aber noch nicht DEL2-taugliche Spieler zu andern Clubs wechselten und nicht für die 1b zum Einsatz kamen. Der Abstieg aus der Regionalliga in die Amateurklasse Hessenliga ist ein guter Beleg, wie Bad Nauheim sich selbst um Früchte seiner Arbeit bringt. Letztendlich profitiert das Nauheimer Eishockey nicht mehr von den eigenen Spielern, sondern ist gerade für das DEL2-Team auf Zugänge angewiesen. Sind wir unter diesen Umständen mit dem Ziel unter die Top-4 einer leistungsorientierten DEL2 zu kommen richtig aufgestellt oder wäre eine semiprofessionelle Liga dann nicht der aufrichtigere Ansatz (dem ich hier sicherlich keinesfalls(!!) das Wort reden möchte.)?
Und noch dazu: Haben wir uns nicht gerade auf eine „Hall of Fame" besonnen, die verdiente Nauheimer Eishockey-Cracks ehrt? Zu solchen Spielern wird es ein Ausbildungsclub in Zukunft gar nicht mehr bringen können, da jeder gute Spieler nicht in Bad Nauheim, sondern woanders seine Zukunft sehen muss. Wäre das nicht jammerschade?
Eine letzte Frage sei in diesem Zusammenhang noch erlaubt. Sprechen wir eigentlich von einem Ausbildungsverein oder einem Weiterbildungsverein? Von den selbst ausgebildeten Spielern hat es bisher keiner geschafft sich in der DEL2 durchzusetzen. Max Spöttel, Tim May, Deion Müller; sie alle zeigten einmal gute Ansätze, doch haben sie den Club inzwischen verlassen. Dafür wurden junge Spieler von anderen Clubs geholt, die aber größtenteils auch nicht die Erwartungen über einen längeren Zeitraum erfüllen konnten. So saßen bis zu den Playdowns Pfänder, Pauker und sogar Lascheit oftmals nur auf der Bank. Hier erschließt sich mir nicht wirklich, warum man diese Spieler überhaupt holte und eigene Talente abgegeben hat. Da ist – gerade wenn man auf junge Eishockeyspieler setzen will – der Trainer ganz besonders gefordert. Aktuell sehe ich hier eine Schieflage zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Die Vision der Agenda 2020 beinhaltet vor dem Hintergrund des Ausbildungsclubs auch die Idee zur Gründung eines Sport-Internats als breite Weiterbildungsplattform für junge Hockeyspieler in unsere Stadt. Ganz ehrlich - kann dies gelingen? Für eine Ausbildungsstätte UND einen geordneten DEL2-Spielbetrieb ist zwingend nicht nur ein adäquat modernisiertes Stadion, sondern auch eine weitere Übungseisfläche unabdingbar. Doch nach dem oben festgestellten Status Quo, ist dies wohl im Zeithorizont der Agenda 2020 ein hoffnungsloses Unterfangen. Alleine daran muss die Vision, sich irgendwann einmal einen Namen als renommierter Ausbildungsverein a la „Klein-Mannheim" in Deutschland zu machen, scheitern.
Was ich mir für meinen „Herzen-Clubs" wünsche, ist ein gesundes Selbstbewusstsein, sich durchaus mit Städten wie Kaufbeuren (bekommen neues Stadion), Rosenheim (wollen bis 2020 DEL-tauglich sein), Freiburg, Bayreuth, Weißwasser, Ravensburg aber auch den von Ortwein ins Gespräch gebrachten Neu-Kandidaten für die DEL2 wie Selb oder Bad Tölz messen zu können. Guten Spielern sollten auch zukünftig gute Angebote unterbreitet werden, um sie beim EC zu halten. Um in allen Belangen das bestmögliche aus unserem Standort herauszuholen, wäre es sicherlich nicht schädlich vom jahrelang erfolgreich praktizierten „Management by Ehren schrittweise abzurücken und genau dort mit vollzeitlich verfügbaren Profis zu arbeiten, wo das Profigeschäft Professionalismus erfordert. Dies soll keineswegs die erbrachten Leistung der ehrenamtlichen Macher schmälern. Sie haben mit unglaublichem Einsatz viel Gutes für das Nauheimer Eishockey erreicht, stoßen in einer DEL2 aber - verständlicher Weise - an die Grenzen ihrer zeitlichen (vielleicht auch fachlichen?) Möglichkeiten. Was (außer Geld) spräche gegen einen hauptamtlichen, geschäftsführenden Sportdirektor aus der Eishockeybranche, der durch einen ehrenamtlichen Aufsichtsrat kontrolliert wird?
Sportlich sind wir uns wohl alle einig, dass eine DEL2 sich der DEL annähern muss und endlich wieder Auf- und Abstieg eingeführt werden sollte. Wer diese Verzahnung fordert und befürwortet, muss sich auch selbst fit machen für den Fall der Fälle, denn Aufstiegsrecht sollte (meiner Meinung nach) auch Aufstiegspflicht heißen. Wer sich von vorneherein weg duckt und sich dieser Herausforderung nicht stellen will oder kann, darf sich nicht darüber wundern keine zusätzlichen Sponsoren mehr gewinnen zu können, rückläufige Besucherzahlen zu schreiben oder Unverständnis in der Politik für geforderte Infrastrukturmaßnahmen zu ernten. Sport in einer leistungsorientierten Profiliga zu betreiben und dieser auf Dauer auch angehören zu wollen, muss heißen nach immer höherem zu streben, besser werden zu wollen und in allen Bereichen, sportlich wie wirtschaftlich, mehr leisten zu wollen. Mangelnder Ehrgeiz - oder anders ausgedrückt - sich auf einem erreichten Level einrichten zu wollen, ist das Todesurteil jedes Sportclubs. Genau deshalb ist „Klassenerhalt" als Saisonziel meiner Meinung zu wenig. Und um es auf den Punkt zu bringen: Was für sportliches Engagement gilt, muss gleichermaßen auch für das Management des Vereins respektive der GmbH gelten, sonst wird man im Wettbewerb mit der Konkurrenz immer Äpfel mit Birnen vergleichen und irgendjemandem in die Tasche lügen – vielleicht sogar sich selbst!
Genug der „freien Meinungsäußerung" – aber mir war nach dieser Saison einfach mal danach. Seit knapp 50 Jahren bin ich nun leidenschaftlicher Anhänger unseres Nauheimer Eishockeys. In all den Jahren, seit meinem Premierenspiel VfL Bad Nauheim vs Mannheimer ERC im Jahre 1968, habe ich wohl die meisten Varianten von Höhen und Tiefen hautnah miterleben dürfen/müssen. Gemessen daran war die abgelaufene Saison – auch wenn die Chronik manchmal dramatisch klingt – gar nicht sooooo tragisch. In Bad Nauheim gab es schon weitaus verhängnisvollere Jahre an deren Ende man nicht glaubte wieder auf die Beine kommen zu können; siehe 1981/82, 1989/90 oder 2005/2006. Davon sind wir dieses Jahr weit, weit entfernt! Die Bereitschaft auch mal Bewährtes, aber vielleicht auch unbemerkt Eingefahrenes, aufzugeben, kann durchaus Raum für neue Chancen schaffen. Dann öffnen sich vielleicht Möglichkeiten, von denen heute niemand etwas ahnt…
In diesem Sinne hoffe ich auf viele gute, mutige und erfolgreiche Entscheidungen in den kommenden Wochen und Monaten, bis es endlich wieder Bullys und Bodychecks im CKS zu sehen gibt. Ich freu mich jedenfalls auf mein „Goldenes Fan-Jubiläum 2018". Möge der Sommer ein milder und schnell vergänglicher sein…

 
 

26. März 2017

 
 
 
 
 
 

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